Slawjanskoje (Kaliningrad, Polessk)

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Siedlung
Slawjanskoje
Pronitten

Славянское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Polessk
Erste Erwähnung 1303
Frühere Namen Prewenithe (1303),
Prawnitten (um 1539),
Prownitten (nach 1565),
Pronitten (bis 1946)
Bevölkerung 815 Einwohner
(Stand: 1. Okt. 2021)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40158
Postleitzahl 238651
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 230 000 058
Geographische Lage
Koordinaten 54° 50′ N, 20° 58′ OKoordinaten: 54° 50′ 13″ N, 20° 58′ 12″ O
Slawjanskoje (Kaliningrad, Polessk) (Europäisches Russland)
Slawjanskoje (Kaliningrad, Polessk) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Slawjanskoje (Kaliningrad, Polessk) (Oblast Kaliningrad)
Slawjanskoje (Kaliningrad, Polessk) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Slawjanskoje (russisch Славянское, deutsch Pronitten) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zur gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Polessk im Rajon Polessk.

Geographische Lage

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Slawjanskoje liegt neun Kilometer südwestlich der Stadt Polessk (Labiau) an der russischen Fernstraße A 190 (ehemalige deutsche Reichsstraße 126). Im Ort enden zwei Nebenstraßen, die aus südlicher Richtung von der Ortsstelle Kustowka (Lindenau, nicht mehr existent) bzw. aus nördlicher Richtung von Uschakowka (Kampkenhöfen) kommen. Slawjanskoje ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit).

Für den Ort Prewenithe wurde 1303 – Zeitpunkt seiner ersten Erwähnung – eine Handfeste für die dort angesiedelten Litauer ausgestellt.[2] Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der Name in Pronitten.[3] und heute russisch „Slawjanskoje“. Zwischen 1874 und 1945 war das Dorf in den Amtsbezirk Legitten[4] eingegliedert, der zum Kreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 zählte Pronitten 384 Einwohner[5]

Am 30. September 1928 wurden drei Nachbargutsbezirke in die Landgemeinde Pornitten eingegliedert: Jäger-Taktau (heute russisch: Turgenewo), Löbertshof (nicht mehr existent) und Schlepecken (1938–1946: Kleinpronitten, heute russisch: Owraschje). Die Einwohnerzahl belief sich 1933 auf 697 und betrug 1939 bereits 732.[6]

In Kriegsfolge kam Pronitten 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1947 nach dem russischen Wort sosna für Kiefer die Bezeichnung Sosnowka.[7] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Von 2008 bis 2016 gehörte Slawjanskoje zur Landgemeinde Turgenewskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Polessk.

Slawjanski selski Sowet/okrug 1947–2008

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Der Dorfsowjet Slawjanski selski Sowet (ru. Славянский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[7] Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Slawjanski selski okrug (ru. Славянский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Turgenewskoje selskoje posselenije eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Dawydowka (Давыдовка) Poßritten Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Drosdowo (Дроздово) Klein Droosden Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Ijulskoje (Июльское) Julienhöhe und Fischer-Taktau Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Jermolowo (Ермолово) Kammerlack und Klein Scharlack Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet. Er wurde offenbar vor 1975 an den Ort Nachimowo angeschlossen.
Kamenka (Каменка) Steinau Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Kustowka (Кустовка) Adlig Wißritten, Lindenau und Klein Sittkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt und 1997 an den Ort Maiskoje angeschlossen.
Lipowka (Липовка) Stenken Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Maiskoje (Майское) Meyken Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Malaja Lipowka (Малая Липовка) Schakaulack, Needau, Poparten und Grüblauken, 1938–1945: „Gründendorf“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Nachimowo (Нахимово) Perkuiken und Wilhelminenhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet.
Nekrassowo (Некрасово) Groß Scharlack Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet.
Nikitowka (Никитовка) Marienhof Der Ort wurde 1947 umbenannt. Er verlagerte sich an die Ortsstelle Lablacken.
Owraschje (Овражье) Schlepecken, 1938–1945: „Kleinpronitten“ Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Podlessje (Подлесье) Weizenhof Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Pridoroschnoje (Придорожное) Neu Droosden Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Rybkino (Рыбкино) Annenhof Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Schurawljowka (Журавлевка) Groß Droosden und Seith Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Sibirskoje (Сибирское) Moritten Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Slawjanskoje (Славянское) Pronitten Verwaltungssitz
Tulskoje (Тульское) Kapstücken Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Uschakowka (Ушаковка) Damm, Kampken und Kampkenhöfen Der Ort wurde 1947 umbenannt.

Die beiden im Jahr 1947 umbenannten Orte Dalneje (Bendiesen) und Olegowo (Senseln), die ebenfalls zunächst in diesen Dorfsowjet eingeteilt worden waren, kamen dann (vor 1975) aber zum Dobrinski selski Sowet.

Der im Jahr 1947 umbenannte Ort Turgenewo (Jäger-Traktau), der ebenfalls zunächst in diesen Dorfsowjet eingeteilt worden war, kam dann (vor 1975) aber zum Tjuleninski selski Sowet.

Für Pronitten bemerkenswert war der sogenannte „Teufelsstein“.[2] Es handelte sich dabei um eine alte prußische Kultstätte, die sich nicht weit entfernt von dem vorchristlichen Friedhof in Löbertshof (heute nicht mehr existent) befand. Die Häuser des Dorfes hatte man hufeisenförmig um diesen Teufelsstein herum gruppiert.

Mit seiner fast ausnahmslos evangelischen Bevölkerung war Pronitten bis 1945 in das Kirchspiel der Kirche Groß Legitten eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Labiau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Die alte Pfarrkirche ist renoviert und dient heute wieder als Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchenglieder im Einzugsbereich Turgenewos, in dem auch Slawjanskoje liegt. Die Gemeinde ist Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[8] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

In Pronitten gab es vor 1945 eine dreiklassige Schule, deren letzter deutscher Schulleiter der Hauptlehrer Emil Zantopp war. Das Schulgebäude ist bis heute erhalten.

  • Rudolf Grenz, Der Kreis Labiau. Ein ostpreußisches Heimatbuch, Marburg, 1973

Einzelnachweise

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  1. Таблица 1.10 «Численность населения городских округов, муниципальных районов, муниципальных округов, городских и сельских поселений, городских населенных пунктов, сельских населенных пунктов» Программы итогов Всероссийской переписи населения 2020 года, утвержденной приказом Росстата от 28 декабря 2021г. № 963, с данными о численности постоянного населения каждого населенного пункта Калининградской области. (Tabelle 1.10 „Bevölkerungsanzahl der Stadtkreise, munizipalen Rajons, Munizipalkreise, städtischen und ländlichen Siedlungen [insgesamt], städtischen Orte, ländlichen Orte“ der Ergebnisse der Allrussischen Volkszählung von 2020 [vollzogen am 1. Oktober 2021], genehmigt durch die Verordnung von Rosstat vom 28. Dezember 2021, Nr. 963, mit Angaben zur Zahl der Wohnbevölkerung jedes Ortes der Oblast Kaliningrad.)
  2. a b Umgebung von Labiau: Slawjanskoje - Pronitten u. a. bei ostpreussen.net
  3. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Pronitten
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Legitten
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Labiau
  6. Michael Rademacher: Landkreis Labiau (russ. Polessk). Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  7. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  8. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info