Cohors I Aquitanorum (Germania)

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Die Weihinschrift des Titus Fabius Liberalis (CIL 13, 11780)
Ziegelstempel der Cohors I Aquitanorum. Lesefund aus dem Lagerdorf des Kastells Arnsburg

Die Cohors I Aquitanorum [veterana] [equitata] (deutsch 1. Kohorte der Aquitanier [die altgediente] [teilberitten]) war eine römische Auxiliareinheit. Sie ist durch Militärdiplome, Inschriften und Ziegelstempel belegt.

Namensbestandteile

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  • Aquitanorum: der Aquitanier. Die Soldaten der Kohorte wurden bei Aufstellung der Einheit aus den verschiedenen Stämmen der Aquitanier auf dem Gebiet der römischen Provinz Gallia Aquitania rekrutiert.
  • veterana: die altgediente/die altbewährte. Der Zusatz wurde vermutlich benutzt, um sie von der Cohors I Aquitanorum Biturigum zu unterscheiden, die ebenfalls in der Provinz Germania stationiert war. Der Zusatz kommt in Militärdiplomen und einigen Inschriften vor.
  • equitata: teilberitten. Die Einheit war ein gemischter Verband aus Infanterie und Kavallerie. Der Zusatz kommt in der Inschrift (FBW-1977-499) vor.

Da es keine Hinweise auf den Namenszusatz milliaria (1000 Mann) gibt, war die Einheit eine Cohors (quingenaria) equitata. Die Sollstärke der Kohorte lag bei 600 Mann (480 Mann Infanterie und 120 Reiter), bestehend aus 6 Centurien Infanterie mit jeweils 80 Mann sowie 4 Turmae Kavallerie mit jeweils 30 Reitern.

Die Kohorte war in den Provinzen Germania und Germania superior (in dieser Reihenfolge) stationiert. Sie ist auf Militärdiplomen für die Jahre 74 bis 134 n. Chr. aufgeführt.[1][2][3][A 1]

Der erste Nachweis der Einheit in Germania beruht auf einem Diplom, das auf 74 datiert ist. In dem Diplom wird die Kohorte als Teil der Truppen aufgeführt (siehe Römische Streitkräfte in Germania), die in der Provinz stationiert waren. Weitere Diplome, die auf 90 bis 134 datiert sind, belegen die Einheit in Germania superior.

Der letzte Nachweis der Einheit beruht auf der Inschrift (CIL 13, 6658), die auf 249 datiert wird.

Standorte der Kohorte in Germania waren möglicherweise:

Ziegel mit den Stempeln der Einheit wurden in Arnsburg, Butzbach, Friedberg, Kleestadt und Saalburg gefunden.[4]

Angehörige der Kohorte

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Folgende Angehörige der Kohorte sind bekannt.[1]

  • M(arcus) Gennius Carfinianus: er wird auf dem Diplom von 82 als Kommandeur genannt.
  • Q(uintus) Caecilius Optatinus,[A 2] ein Präfekt (CIL 10, 5831)
  • T(itus) Fabius Liberalis, ein Präfekt (CIL 13, 11780)

Weitere Kohorten mit der Bezeichnung Cohors I Aquitanorum

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Es gab noch zwei weitere Kohorten mit dieser Bezeichnung:

Commons: Cohors I Aquitanorum veteranorum equitata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Das hier angegebene Szenario geht von zwei verschiedenen Kohorten mit dieser Bezeichnung aus: der Cohors I Aquitanorum (Britannia), die in der Provinz Britannia stationiert war und der Cohors I Aquitanorum (Germania), die in der Provinz Germania stationiert war. John Spaul geht dagegen nur von einer einzigen Kohorte aus, die in diesen Provinzen stationiert war.
  2. a b c d e Alle Soldaten, bei denen aus der Literatur sowie der jeweiligen Inschrift nicht hervorgeht, um welche der beiden Einheiten es sich handelt, wurden der Cohors I Aquitanorum (Germania) zugeordnet.

Einzelnachweise

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  1. a b John Spaul: Cohors² The evidence for and a short history of the auxiliary infantry units of the Imperial Roman Army, British Archaeological Reports 2000, BAR International Series (Book 841), ISBN 978-1841710464, S. 139–144
  2. Jörg Scheuerbrandt: Exercitus. Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 2003/2004, S. 159 Tabelle 3 (PDF S. 161).
  3. Militärdiplome der Jahre 74 (CIL 16, 20), 82 (CIL 16, 28), 90 (CIL 16, 36, RMD 5, 333, ZPE-148-261), 116 (CIL 16, 62) und 134 (CIL 16, 80).
  4. Ziegelstempel: Arnsburg (CIL 13, 12410), Butzbach (CIL 13, 12411), Friedberg (CIL 13, 12409), Kleestadt (CIL 13, 12408) und Saalburg (CIL 13, 12412).
  5. Werner Eck, Andreas Pangerl: Neue Diplome für die Heere von Germania superior und Germania inferior In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (ZPE), Band 148 (2004), S. 259–268, hier S. 261 (Online).
  6. Werner Eck, Andreas Pangerl: Sex. Iulius Frontinus als Legat des niedergermanischen Heeres. Zu neuen Militärdiplomen in den germanischen Provinzen In: ZPE, Band 143 (2003), S. 205–219, hier S. 218 (Online).