Eugen Keidel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Eugen Keidel (1968)

Eugen Keidel (* 4. September 1909 in Mannheim; † 31. Dezember 1991 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Kommunalbeamter. Als SPD-Mitglied war er 1962–1982 Oberbürgermeister von Freiburg.

Seine seit langem in Baden ansässige Familie war (wie traditionell viele Badener) liberal eingestellt. Sein Vater war der Landwirt und Landwirtschaftsfunktionär Georg Keidel. Eugen Keidel studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Rechtswissenschaft und Staatswissenschaften. 1929 wurde er im Corps Rhenania Freiburg recipiert.[1] Sein Studium führte ihn auch an die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1937 wurde er in Heidelberg zum Dr. iur. promoviert.

Von 1938 bis 1946 war Eugen Keidel in leitender Position in der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf in Magdeburg tätig. 1937 trat er in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein und wurde Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). In seiner Entnazifizierung wurde er zunächst als Mitläufer, dann als Entlasteter eingestuft.[2] 1944/45 wurde er zur Wehrmacht eingezogen.[3] 1947 folgte der Eintritt in die Stadtverwaltung von Karlsruhe, in der er 1955 Stadtdirektor wurde.[3] Er war für die Neuordnung der Wirtschafts- und Versorgungseinrichtungen verantwortlich, bevor er zum Leiter des Schul- und Kulturreferates ernannt wurde.

1962 kandidierte Keidel in Freiburg für das Amt des Oberbürgermeisters. Zum Nachfolger von Josef Brandel gewählt wurde er im ersten Wahlgang mit knappem Vorsprung, im zweiten Wahlgang vom 7. Oktober mit einer Mehrheit von 65 %. Sein Konkurrent war Gerhard Graf, einer der Bürgermeister von Freiburg. In Keidels Amtszeit fällt die Ausdehnung der Stadt nach Westen mit den neuen Stadtteilen Landwasser und Weingarten. Maßgeblichen Einfluss hatte er auch auf den Bau des später nach ihm benannten Thermalbades (Eugen-Keidel-Bad). Auch der Ausbau des Stadtringes sowie eine der ersten Fußgängerzonen Deutschlands und die Erschließung neuer Wassergewinnungsgebiete gehen auf sein Konto. Er wandelte die Stadtwerke und Verkehrsbetriebe in selbstständige Gesellschaften um und veranlasste die Eingemeindung von neun Gemeinden (Lehen, Opfingen, Waltershofen, Tiengen, Munzingen, Hochdorf, Ebnet, Kappel und Mundenhof). Er war Vorsitzender des ADAC für Nordbaden. Nachdem er 1970 mit 78,1 % im Amt bestätigt worden war, ging er am 15. November 1982 als damals dienstältestes Stadtoberhaupt (einer größeren Stadt) in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Rolf Böhme. Eugen Keidel verstarb in der Nacht zu Silvester 1991 nach kurzer Krankheit. Die Trauerfeier fand im Freiburger Münster statt.

Eugen Keidel war seit 1954 mit der Karlsruherin Claire Keidel geb. Wittmer († 2010) verheiratet.[4] Der Vorstandsvorsitzende der Zentral-Genossenschaft Raiffeisen Karlsruhe Walter Keidel war sein Bruder.

Eugen-Keidel-Turm auf dem Schauinsland
Grab auf dem Freiburger Hauptfriedhof

Neben der Ehrenbürgerwürde, die Keidel mit seinem Ausscheiden vom Stadtrat verliehen wurde, ehrte die Stadt ihn auch dadurch, dass das Freiburger Thermalbad den Namen Keidel Mineral-Thermalbad Freiburg trägt. Keidel erhielt außerdem 1982 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und wurde Ehrensenator der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Außer dem Eugen-Keidel-Bad ist nach ihm auch der 1981 erbaute Eugen-Keidel-Turm auf dem Schauinsland benannt. Er erhielt diverse Auszeichnungen des ADAC. An Orden wurden ihm verliehen:

  • Peter Kalchthaler, Walter Preker (Hrsg.): Freiburger Biographien. Freiburg 2002, ISBN 978-3923288335, S. 322 f.
Commons: Eugen Keidel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Kösener Corpslisten 1960, 35/1053
  2. https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-0780
  3. a b Eugen Keidel Internationales Biographisches Archiv, 10. Februar 1992, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 7. Februar 2011 (Artikelanfang frei abrufbar)
  4. Badische Zeitung vom 21. Juni 2010: „Frau des früheren Oberbürgermeisters: Freiburg trauert um Claire Keidel“