Geschlechtertrennung

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Symbole für eine Geschlechtertrennung bei öffentlichen Toiletten

Geschlechtertrennung bezeichnet verschiedene Weisen der Separation oder Segregation von Menschen nach ihrem Geschlecht. Am häufigsten wird der Begriff für die Trennung nach Geschlechtern im Schulunterricht verwendet.[1] In sozialer und kultureller Hinsicht ist die Geschlechtertrennung Ausdruck einer Geschlechterordnung. Andere Verwendungen beziehen sich deshalb zum Beispiel auf die Geschlechterordnung in der Berufs- und Arbeitswelt.[2]

Ein Schild, das Männern das Betreten des Frauenbereichs am Strand von Tel-Aviv verbietet, 1927

Insbesondere bezeichnet Geschlechtertrennung

  1. schulische und pädagogische Maßnahmen zur getrennten Erziehung von Jungen und Mädchen, auch bekannt als Seedukation. Gegenbegriff ist die Koedukation.
  2. im alltäglichen Sprachgebrauch die räumliche Trennung nach Geschlechtszugehörigkeit, z. B.
    • bei Toiletten (vgl. dagegen Unisex-Toilette);
    • Sanitäranlagen, Duschen und Umkleiden (bei Sportveranstaltungen, Sporthallen, Schwimmbäder, Gewerbe- und Industriebetrieb),
    • tage- oder stundenplanweise in Sauna, Schwimmbad, Fitnesscenter (in Saunen gibt es auch gemischte Tage und Familientage)
    • soziale Geselligkeiten – Damensalon, Herrenrunde, Polterrunde (einzelne geladene Gäste, Dienstleister oder künstlerische Darbieter des anderen Geschlechts kommen vor)
    • Friseur, Bekleidungsgeschäft
    • Gastlokal, Animierlokal, Swingerclub
    • Frauenparkplätzen
    • in Form einer bestimmten Sitzordnung beim Gottesdienst (vgl. Männer- und Frauenseite, Mechiza, Geschlechtertrennung in Moscheen).
    • Geschlechtertrennung beim Sport in Form eigener Ligen, z. B. Frauenfußball
    • bei Vereinen und Vereinigungen, z. B. in Männervereine und Frauenvereine, z. B. Frauenchor, Rollerderby, Pfadfinder; Männerorden, Frauenorden (Frauenstift)
  3. die kulturell, rituell oder auch rechtlich verbindliche Unterteilung der verschiedenen Lebensbereiche einer Gesellschaft in Sphären des Mannes und der Frau, traditionellerweise oft als Gegensatzpaare von: Öffentlichkeit und Privatheit, Erwerbstätigkeit und Haushalt, Gesellschaft und Familie, Straße und Haus.
  4. allgemeiner die Existenz unterschiedlicher Sphären geschlechtsspezifischen Handelns, z. B. Frauenliteratur, Frauenfilm, Frauenbibliothek

Diejenige Geschlechtertrennung, bei der der Lebensraum eines Geschlechtswesens, fast immer der Frau, auf einen von der Öffentlichkeit abgesonderten, insofern abgeschlossenen Raum weitgehend beschränkt wird, heißt Seklusion (~ Abgeschlossenheit). Besonders strenge Formen der Seklusion finden sich z. B. in manchen traditionellen muslimischen Gesellschaften der arabischen Halbinsel, Afrikas sowie in Afghanistan.

Im englischen Sprachraum wird Geschlechtertrennung im Sinne von 2 und 3 als „sex segregation“ oder – in antidiskriminatorischer Stoßrichtung – als „sexual apartheid“ bezeichnet.

Die sichtbare Betonung der unterschiedlichen Geschlechtswesen, z. B. durch Kleidung, Frisur, Kosmetik, Shampoo, Sprach- und Verhaltensweisen, kann im Sinne von (4) als Erscheinungsform von Geschlechtertrennung betrachtet werden. Manche Kleidungsformen und Handlungstabus dienen darüber hinaus der weitgehenden Unterbindung des öffentlichen Umgangs der Geschlechter miteinander. Insbesondere fundamentalistisch-religiöse Gruppierungen, wie beispielsweise die Anhänger der Salafiyya sowie mehrere ultraorthodoxe jüdische Gruppierungen,[3][4] setzen sich für eine strikte Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum ein.

Commons: Gender separation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Marita Kampshoff: Geschlechtertrennung ja oder nein?! Kapitel 32 in Marita Kampshoff, Claudia Wiepcke (Hrsg.): Handbuch Geschlechterforschung und Fachdidaktik. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Springer Fachmedien), Wiesbaden 2012. ISBN 978-3-531-18222-3
  2. Ulrike Teubner: Beruf: Vom Frauenberuf zur Geschlechterkonstruktion im Berufssystem. In Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung (Geschlecht & Gesellschaft Band 35). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 3. Auflage 2010. ISBN 978-3-531-17170-8, S. 499–506.
  3. Israels Präsident ruft zu Protest gegen Ultraorthodoxe auf, Zeit Online vom 27. Dezember 2011
  4. Tausende Israelis demonstrieren gegen religiöse Fundamentalisten, Zeit online vom 27. Dezember 2011