Johnny O’Clock

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Film
Titel Johnny O’Clock
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1947
Länge 96 Minuten
Stab
Regie Robert Rossen
Drehbuch Robert Rossen
Produktion Edward G. Nealis
Milton Holmes
Musik George Duning
Kamera Burnett Guffey
Schnitt Al Clark
Warren Low
Besetzung

Johnny O’Clock ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film noir aus dem Jahr 1947 und das Regiedebüt von Robert Rossen.

Johnny O’Clock, der Juniorpartner des Spielcasinobetreibers Guido Marchettis, gerät ins Visier der Polizei, nachdem die Casinoangestellte Harriet Hobson scheinbar Selbstmord begangen hat und ihr Freund, der korrupte Polizist Chuck Blayden, spurlos verschwunden ist und später tot aufgefunden wird. Harriets angereiste Schwester Nancy erfährt von dem ermittelnden Inspektor Koch, dass Harriet vermutlich ermordet wurde. Nancy trifft sich mit Harriets Arbeitgeber Johnny und verliebt sich nach einem gemeinsam verbrachten Abend in ihn. Koch konfrontiert Johnny und Marchettis mit einer Uhr, die in Harriets Habe gefunden wurde; diese war ein Geschenk von Marchettis Frau Nelle an Johnny. Johnny ahnt, dass sein Partner Marchettis versuchen wird ihn zu beseitigen, und weist Nancy zurück, um sie zu retten. Nancy beharrt jedoch darauf, bei ihm zu bleiben. Johnny kündigt seinen Ausstieg bei Marchettis an und fordert seinen Anteil ein. Marchettis, der auch die Morde an Blayden und Harriet beging, schießt Johnny nieder, doch Johnny überlebt und tötet seinen Gegner. Nelle rächt sich an Johnny, der ihre Liebe nicht erwidert, indem sie behauptet, er habe ihren Mann vorsätzlich erschossen. Gemeinsam mit Koch kann Nancy Johnny überreden, sich der Polizei zu stellen, statt ein Leben auf der Flucht zu führen.

1944 verließ Robert Rossen die Filmproduktionsgesellschaft Warner Bros., für die er seit 1936 Drehbücher verfasst hatte, und debütierte mit dem für Columbia Pictures gedrehten Johnny O’Clock als Regisseur.[1] Johnny O’Clock startete am 26. März 1947 in New York.[2] In der BRD lief der Film nicht in den Kinos, sondern wurde am 28. Mai 1976 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt.[3]

Die Rezensionen zum Filmstart fielen gemischt aus. Variety lobte den Film als „clever“ und „überdurchschnittlich“. Der Film enthalte Aktion, Spannung und vereinzelte kurze Anflüge von Humor.[4] Bosley Crowther von der New York Times bemängelte „das mangelnde Tempo und den allgemeinen Handlungswirrwarr“, der zwei Drittel des Films beherrsche. Anhänger von Dick Powell würde seine neueste „Harter-Kerl-Maskerade“ aber sicherlich zufriedenstellen.[5]

Obwohl Johnny O’Clock von Filmhistorikern einstimmig dem Film-noir-Kanon zugeschrieben wird, ist seine Bedeutung in diesem nicht unumstritten. Bruce Crowther kritisierte in Film Noir. Reflections in a dark mirror, der Film sei „zu optimistisch“ und Dick Powell „allzu offensichtlich in der Lage, auf sich selbst aufzupasssen“, um die nötige „noir“-Stimmung zu kreieren.[6] Alain Silver und Elizabeth Ward präzisierten in ihrem Film-noir-Kompendium, dass erst die spürbare Schwäche des Protagonisten einen Film als „noir“ klassifiziere: „Was fehlt, ist ein Gefühl der Angst und Machtlosigkeit.“[7] Für Bertrand Tavernier dagegen gereichten grade die Widersprüche dem Film zum Vorteil, der Rossens „jüdischen Pessimismus und Idealismus“ reflektiere, eine „für den Film noir perfekte“ Kombination.[8] Brian Neve (Film and Politics) ergänzte: „Rossens Welt ist pessimistisch, es fehlt die bejahende Vision wie in den Arbeiten Polonskys. Und doch ist Romantik in der letzten Szene vorhanden, und der Ausblick auf eine Alternative.“ Unter der Oberfläche liege „der zögerliche Altruismus, den [der Filmkritiker] Michael Wood als charakteristisch für den amerikanischen Hardboiled-Film jener Jahre sieht.“[9]

In Deutschland fasste das Lexikon des internationalen Films zusammen: „Effektvoller Erstlingsfilm Rossens […] psychologisch oberflächlich und wenig glaubwürdig, doch gut gespielt und ausreichend spannend.“[3]

Einzelnachweise

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  1. Brian Neve: Film and Politics in America. A Social Tradition. Routledge, Oxon, 1992, S. 16–18, S. 108.
  2. Johnny O’Clock auf Turner Classic Movies, abgerufen am 10. Februar 2013.
  3. a b Johnny O’Clock im Lexikon des internationalen Films.
  4. „This is a smart whodunit, with attention to scripting, casting and camerawork lifting it above the average. Pic has action and suspense, and certain quick touches of humor to add flavor.“ – Rezension@1@2Vorlage:Toter Link/www.variety.com (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven) in Variety von 1947 (nur Jahresangabe), abgerufen am 10. Februar 2013.
  5. „Mr. Powell has been causing lots of flutter in the past several roles […] And there is every reason to suppose that he personally will satisfy his following in this latest tough-guy masquerade. […] But the slowness and general confusion of the plot for two-thirds of the film does not make for notable excitement […]“ – Rezension in der New York Times vom 27. März 1947, abgerufen am 10. Februar 2013.
  6. „A few months later Rossen created the required noir mood with much greater impact in Body and Soul, but Johnny O'Clock is generally too upbeat and Powell too clearly capable of looking after himself for this to be an entirely satisfactory exercise.“ – Bruce Crowther: Film Noir. Reflections in a Dark Mirror. Virgin, London 1988, ISBN 0-86287-402-5, S. 97.
  7. „It is through a sense of the protagonist’s weakness that most films of this nature approach the noir classification. […] The elements lacking are a sense of fear and powerlessness.“ – Alain Silver, Elizabeth Ward (Hrsg.): Film Noir. An Encyclopedic Reference to the American Style, Third Edition. Overlook/Duckworth, New York/Woodstock/London 1992, ISBN 978-0-87951-479-2, S. 147–148.
  8. „Tavernier saw the film as reflecting Rossen’s ‚Jewish pessimism and idealism‘, a combination that was ‚perfect for film noir‘.“ – Brian Neve: Film and Politics in America. A Social Tradition. Routledge, Oxon, 1992, S. 140.
  9. „Rossen’s world is pessimistic, and there is no explicit affirmative vision, as in Polonsky’s work. Yet there is a romanticism in the last scene, and an alternative vision is present, buried deep in Cobb’s world-weary performance. […] the musical score also undercuts the dominant tone of the film, hinting at the romanticism beneath the surface, the reluctant altruism that Michael Wood sees as characteristic of the hardboiled American film of the period.“ – Brian Neve: Film and Politics in America. A Social Tradition. Routledge, Oxon, 1992, S. 141; Zitat von Michael Wood aus Michael Wood: America in the Movies, or, ‚Santa Maria, it had slipped my Mind‘. Basic Books, New York 1975.