Laurionit

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Laurionit
Laurionit-Kristalle aus Laurion, Attika (Griechenland)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Lri[1]

Chemische Formel Pb(OH)Cl[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

III/D.08
III/D.08-030

3.DC.05
10.02.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m
Raumgruppe Pcmn (Nr. 62, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/62.4[2]
Gitterparameter a = 9,70 Å; b = 4,02 Å; c = 7,11 Å[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 3,5[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,241; berechnet: 6,212[3]
Spaltbarkeit deutlich nach {101}[3]
Bruch; Tenazität biegsam
Farbe farblos, weiß
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig
Glanz Diamantglanz, Perlglanz nach {100}[3]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 2,077[4]
nβ = 2,116[4]
nγ = 2,158[4]
Doppelbrechung δ = 0,081[4]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 70°; berechnet: 90°[4]

Laurionit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb(OH)Cl und entwickelt nur farblose oder weiße, tafelige bis dünn-prismatische Kristalle von meist auffälliger Winkelform bis zu einem Zentimeter Länge.

Etymologie und Geschichte

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Erstmals gefunden wurde Laurionit 1887 an verschiedenen Schlackenfundstellen im Gebiet um Laurion in der griechischen Region Attika und beschrieben durch Rudolf Koechlin (1862–1939), der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte.

In der alten (8. Auflage) und neuen Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) gehört der Laurionit zur Abteilung der Oxihalogenide (und verwandte Doppel-Halogenide). Die neue Strunz’sche Mineralsystematik unterteilt hier allerdings inzwischen präziser nach den an der Formel beteiligten Kationen und das Mineral steht entsprechend in der Unterabteilung „Mit Pb (As, Sb, Bi) ohne Cu“.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Laurionit ebenfalls den Oxihalogeniden zu, dort allerdings gemäß der Einteilung nach chemischer Zusammensetzung in die Unterabteilung „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide mit der Formel A(O,OH)Xq.

Kristallstruktur

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Laurionit kristallisiert in der Raumgruppe Pcmn (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/62.4 mit den Gitterparametern a = 9,70 Å; b = 4,02 Å und c = 7,11 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Bildung und Fundorte

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Laurionit bildet sich einerseits in antiken, bleihaltigen, durch Metallverarbeitung entstandenen Schlacken unter Einfluss von Salzwasser, andererseits aber auch als Sekundärmineral in der Oxidationszone bleihaltiger Mineral-Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Anglesit, Cerussit, Fiedlerit, Paralaurionit, Penfieldit und Phosgenit.

Als seltene Mineralbildung konnte Laurionit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2016) rund 50 Fundorte[5] als bekannt gelten. An seiner Typlokalität Lavrio fand sich Laurionit in vielen Schlackenhalden in der Umgebung.

In Deutschland trat das Mineral bisher unter anderem auf Schlackenhalden bei Richelsdorf in Hessen, Astfeld in Niedersachsen, der ehemaligen Gemeinde Kall (heute Mechernich) in Nordrhein-Westfalen und Braubach in Rheinland-Pfalz sowie in der Zeche Christian Levin bei Essen und der Zeche Auguste Victoria bei Marl-Hüls in Nordrhein-Westfalen auf.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist eine Schlackenhalde bei Waitschach (Gemeinde Hüttenberg) in Kärnten.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Frankreich, Israel, Italien, Kanada, Südafrika, Tschechien, Tunesien, Turkmenistan, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[6]

Commons: Laurionite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 175.
  3. a b c d Laurionite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 60,8 kB)
  4. a b c d e Mindat – Laurionite
  5. Mindat – Anzahl der Fundorte für Laurionit
  6. Fundortliste für Laurionit beim Mineralienatlas und bei Mindat - Localities for Laurionite