Lieken

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Lieken GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1997
Sitz Lutherstadt Wittenberg, Deutschland
Leitung
  • Christian Hörger, CEO
  • Jan Willers, CFO
Mitarbeiterzahl 1.736 (2021)
Umsatz 504,3 Mio. Euro (2021)
Branche Nahrungsmittel
Website www.lieken.de
Stand: 31. Dezember 2021

Die Lieken GmbH (vormals Lieken AG) ist ein deutscher Backwarenhersteller mit Sitz in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Bekannte Marken sind Golden Toast und Lieken Urkorn.

Lieken gehört seit 2013 zum tschechischen Agrofert-Konzern.

Zur Lieken gehören die Lieken Brot- und Backwaren GmbH mit insgesamt sieben Produktionsstätten sowie das Logistikunternehmen Logi-K. Die Lieken Brot- und Backwaren GmbH, ebenfalls mit Sitz in Lutherstadt Wittenberg, beliefert täglich den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland mit Brot und Backwaren der Marken Golden Toast und Lieken Urkorn sowie Eigenmarken der Handelsunternehmen und Bake off-Produkten. Produktionsstätten befinden sich in Essen, Brehna, Günzburg, Lüdersdorf, Lünen, Crailsheim, Lutherstadt Wittenberg und Bietigheim-Bissingen.[1]

Lieken (1902 bis 1998)

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1922 kaufte Fritz Lieken die stillgelegte Bremer Simonsbrot-Bäckerei in Achim, die 1902 durch die Gebrüder Simon als Malzkornfabrik gegründet worden war. Mit Hilfe seiner Ehefrau und eines Gesellen startete Lieken seinen eigenen Bäckereibetrieb. Fritz Lieken baute seine Bäckerei zu einer Vollkornbäckerei aus. 1926 war er der erste deutsche Bäcker, der verpacktes Brot haltbar machte. Die Haltbarmachung gelang durch Pasteurisierung. Nach seinem Tod im Jahr 1961 führte Liekens Ehefrau Maria das Unternehmen Lieken Simonsbrot zusammen mit dem Geschäftspartner Alfred Batscheider weiter.

Wendeln (1919 bis 1999)

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Die Großbäckerei Wendeln wurde 1919 von Bernhard und Antonia Wendeln in Garrel bei Oldenburg gegründet und seit 1960 von deren Söhnen Paul und Bernhard weitergeführt. 1974 wurde das Unternehmen Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Golden Toast. Das Unternehmen wurde durch den Aufkauf weiterer Großbäckereien wie Paech (1986), Weber Pfungstadt (1996), Scherpel (1997) und Lieken Simonsbrot (1998) Marktführer in der Backwarenbranche mit verpackten Broten[2].

Kamps (1982 bis 2002)

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Heiner Kamps eröffnete 1982 in Düsseldorf die erste Kamps-Bäckerei. Daraus entstand ein größeres Unternehmen, das Kamps 1992 verkaufte und 1996 zurückkaufte. Im Januar 2000 übernahm dann Heiner Kamps zusätzlich zu seinem 1982 gegründeten Filialgeschäft die Wendeln-Gruppe und somit auch die Marke Lieken. Daraus entstand die Kamps AG mit den Töchtern Kamps Brot- und Backwaren (Lebensmitteleinzelhandel) und Kamps Bakeries (Filialen).

Barilla (2002 bis 2013)

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Die italienische Barilla-Gruppe übernahm 2002 einen Großteil der Kamps-Aktien, der Unternehmensgründer Heiner Kamps stieg nach dem Verkauf komplett aus dem Unternehmen aus. 2004 übernahm Barilla die noch verbleibenden Anteile der Minderheitsaktionäre, so dass die Aktien des Unternehmens an keiner Börse mehr notiert waren. Am 17. März 2008 firmierte die Unternehmensgruppe um: Aus Kamps AG wurde Lieken AG, aus dem Lebensmitteleinzelhandel-Geschäftsbereich Kamps Brot- und Backwaren GmbH wurde Lieken Brot- und Backwaren GmbH und aus dem Bäckerei-Filial-Geschäft Kamps Bakeries GmbH wurde Kamps GmbH.[3] Im August 2010 wurden die fünf Handwerksbäckereien und 900 Filialen von Kamps (Umsatz 2009: 300 Mio. Euro) an den Finanzinvestor ECM Equity Capital mit Sitz in Frankfurt am Main veräußert. Die Marken Lieken Urkorn und Golden Toast verblieben bei der Barilla-Gruppe und wurden unter der Lieken AG weitergeführt.

Agrofert (ab 2013)

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2013 wurde die Lieken AG von Barilla an die tschechische Agrofert-Gruppe verkauft, deren CEO und alleiniger Eigentümer der spätere tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš ist.[4][5] Im November 2014 kündigte Lieken die Schließung von fünf seiner zwölf Werke in Deutschland an (Pfungstadt, Essen, Weißenhorn, Garrel und Stockstadt),[6] im November 2015 den Umzug des Verwaltungssitzes nach Dortmund.[7] Im Mai 2018 wurde der Sitz nach Lutherstadt Wittenberg verlegt. Die Produktion des geschlossenen Werkes Weißenfels ist in ein neu errichtetes Werk auf einem Gelände des Schwesterunternehmens SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) verlagert worden und firmiert als Wittenberger Bäckerei GmbH. Die Wittenberger Bäckerei GmbH produziert exklusiv für Lieken.[8] Im Januar 2021 wurde die Lieken AG in eine GmbH umgewandelt.

Heute umfasst das Sortiment von Lieken Urkorn[9] unter anderem Schnitt- und Laibbrote, Sandwiches, Toastbrot sowie Kuchen- und Stollenprodukte, die in eigenen Großbäckereien gebacken und überwiegend durch Pasteurisierung haltbar gemacht werden. Laut einer Nielsen-Marktforschungsanalyse ist Lieken Urkorn Marktführer im Segment Schnittbrot[10] und hatte 2015 eine gestützte Markenbekanntheit von 90 %.[11] Mit einem Marktanteil von 20 Prozent ist Lieken Urkorn der Marktführer im Segment Vollkornbrote.[12]

Golden Toast[13] ist die Dachmarke für ein Angebot an Brot- und Backwaren und war 2009 laut einer Nielsen-Marktforschungsanalyse mit über 40 % Marktanteil Marktführer in der Kategorie Toast und Sandwich und hat eine gestützte Markenbekanntheit (Erinnerung durch Vorlage von Gedächtnisstützen wie z. B. Abbildungen einer Marke) von 99 %.[14] Markeninhaber ist die Arbeitsgemeinschaft Golden Toast GmbH.

Als Teil des Agrofert-Konzerns ließ Lieken 2017 eine neue Produktionsstätte in Wittenberg bauen und die alte in Weißenfels (beides Sachsen-Anhalt) im Sommer 2017 schließen, die dort Beschäftigten wurden entlassen.[15] Weiterhin werden in dem neuen Werk, das mit 11,25 Mio. Euro vom Land Sachsen-Anhalt gefördert wurde, Löhne deutlich unter Tarifniveau gezahlt.[16][17] Heftig kritisiert wurde dies im Landtag von Sachsen-Anhalt von Andreas Höppner (Die Linke) mit den Worten „Die Förderpolitik Sachsen-Anhalts fördert (…) bei Lieken Arbeitsplatzabbau und Tarifflucht“.[18]

Ende 2018 stellte die EU-Kommission einen Interessenkonflikt des Eigentümers der Agrofert-Gruppe, dem tschechischen Ministerpräsident Andrej Babiš fest. Dieser übe noch immer direkten und indirekten Einfluss auf die Unternehmen der Gruppe aus, darunter auch Lieken.[19]

Einzelnachweise

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  1. Lieken – Standorte
  2. Die Geschichte von Lieken auf www.lieken.de, abgerufen am 12. März 2019
  3. Unternehmens-Website – Seite „Lieken Geschichte“ (Memento des Originals vom 6. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lieken.de.
  4. Agrofert-Chef expandiert in Deutschland „Ich bin ja nicht Gott“ wiwo.de vom 18. Juni 2013 (abgerufen am 2. Dezember 2013).
  5. dpa: Übernahme Große Pläne für Großbäcker Lieken, rundschau-online.de vom 25. Mai 2013 (abgerufen am 2. Dezember 2013).
  6. Lebensmittel-Zeitung online, 12. November 2014.
  7. http://www.lebensmittelzeitung.net/industrie/Verwaltungssitz-Lieken-zieht-nach-Dortmund-120628
  8. dpa-infocom GmbH: Großbäckerei Lieken zieht um: Förderung in Aussicht gestellt. In: welt.de. 6. November 2015, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  9. Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsches Markenlexikon. 1. Auflage. Deutsche Standards Editionen, Köln 2007, ISBN 978-3-8349-0629-8, S. 655.
  10. The Nielsen Company, LEH > 100m2, 02/2010
  11. Icon Brand Navigator, 2015.
  12. IRI, Marktanteil Umsatz, LEH Gesamt ≥ 200qm, SB-Brot und Brötchen und SB-Fertiggebäck, MAT 03.18.
  13. Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsches Markenlexikon. 1. Auflage. Deutsche Standards Editionen, Köln 2007, ISBN 978-3-8349-0629-8, S. 462.
  14. Icon Added Value, 2016.
  15. Aus für Großbäckerei in Weißenfels Lieken läuft nun doch länger
  16. Großbäcker Lieken Löhne unter Tarifniveau in neuem Wittenberger Werk
  17. ABZ:Großbäckerei Löhne unter Tarifniveau
  18. Sitzungsprotokoll des Landtags Sachsen-Anhalt@1@2Vorlage:Toter Link/www.landtag.sachsen-anhalt.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2022. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  19. Viktoria Großmann: EU-Kommission stellt Interessenkonflikt von Babiš fest. Abgerufen am 4. März 2021.