Nathan Marcus Adler

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Nathan Marcus Adler

Nathan Marcus Adler (15. Januar 1803 in Hannover21. Januar 1890 in Brighton, Großbritannien) war ein deutsch-britischer Rabbiner und Oberrabbiner.

Herkunft und Familie

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Nathan Adler war der Sohn des jüdischen Gelehrten Markus Adler (ab 1804 Verwalter des Landrabbinats in Hannover). Seine einzige Schwester war Henriette Budge, geb. Adler, die 1875 in Wetzlar starb. Sie war die Schwiegermutter des Rabbiners der Synagogengemeinde von Stettin, Abraham Treuenfels, und Ehefrau von Jakob Budge.[1] Adlers Schwager, der in Wetzlar sesshafte Kaufmann Jakob Budge (1797–1873), war ein Onkel des deutsch-amerikanischen Kaufmanns und Wohltäters Henry Budge und war 1857 einer der wohlhabendsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Wetzlar.[2]

Nach dem Schulbesuch studierte Nathan Adler ab 1826 in Würzburg Theologie und Philologie und promovierte 1828 an der Universität Erlangen. Einer seiner Lehrer an der Würzburger Jeschiwa war Abraham Bing. „Nach Würzburg strömte […] eine grosse Anzahl Schüler, um seinen gelehrten Worten zu lauschen. Zu den bedeutendsten gehörten der nachmalige Altonaer Ober-Rabbiner Jakob Ettlinger, der spätere Londoner chief rabbi Nathan [Marcus] Adler, der Hamburger Chacham Is.[aak] Bernays, R.[abbi] Elieser Bergmann und […] Seligmann Bär Bamberger.“[3]

Wirkungsstätte Oldenburg

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Der erst 25-jährige Adler wird im Jahr 1828 zum herzoglichen Landrabbiner im Herzogtum Oldenburg ernannt. Seine Antrittsrede vom 6. Juni 1829 ist in der Zeitschrift Sulamith wiedergegeben.[4] Schon im Februar 1830 kündigt er seinen Wechsel nach Hannover an, veröffentlicht aber in Oldenburg noch einen Entwurf für eine Schulordnung. Im Juni 1830 schlägt er der Regierung in Oldenburg Samson Raphael Hirsch zu seinem Nachfolger vor.[5] Nach dieser kurzen Zeit in Oldenburg erfolgte seine Abschiedspredigt dort am 8. August 1830.[6] Er übernahm danach das Landrabbinat Hannover von seinem Vater.

Weitere Wirkungsstätten

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Hier in Hannover war er – wie schon zuvor in Oldenburg – verantwortlich für die Reorganisation der jüdischen Gemeinden, so auch für die „Allgemeine Synagogen-Ordnung“ (1832) und für die Reform des jüdischen Schulwesens (inklusive Schulpflicht).

Nachdem sich Adler 1842 erfolglos als Rabbiner in Berlin beworben hatte, wurde er 1844 als Nachfolger von Solomon Hirschell zum Chief Rabbi des Britischen Reiches gewählt[7] und zog nach London. Sein Nachfolger in Hannover wurde Samuel Ephraim Meyer.

In London gründete Adler 1845 das Jews’ College und war dort verantwortlich für die Vereinigung aller Londoner Synagogen zur „United Synagogue“ (1868). Sein Sohn Hermann Adler übernahm seine Nachfolge als Oberrabbiner des Commonwealth.

Von Adler stammt u. a. der fünfbändige Kommentar zum „Targum Onkelos“, der in aramäische Sprache übertragenen Thora im Romm’schen Pentateuch (Wilna 1875, zahlr. Neuauflagen), sowie eine kritische Ausgabe mit Übersetzung und Kommentar der Reisebeschreibungen von Benjamin von Tudela.

  • in Herausgeberschaft: The Itinerary of Benjamin of Tudela, London 1907, Nachdruck bei Feldheim, New York 1965, Text (in hebräischer Sprache), Übersetzung und Kommentar (in englischer Sprache)
Commons: Nathan Marcus Adler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Office of the Chief Rabbi: Past Chief Rabbis (Memento vom 17. Juli 2013 im Internet Archive) – Informationen zu Nathan Marcus Adler (englisch)

Einzelnachweise

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  1. Nachruf zum Tod von Henriette Budge geb. Adler-Schwester des Oberrabbiners des britischen Reiches Dr. Adler (1875), Artikel in der Zeitschrift Der Israelit vom 15. Dezember 1875. (Digitalisat auf Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) Jüdische Geschichte. Synagoge (Abgerufen am 28. September 2022.)) Das Grab von Nathan Marcus Adlers Schwester, die mit Jakob Budge verheiratet war, befindet sich auf dem Alten jüdischen Friedhof in Wetzlar (Grab Nr. 4): „Budge, Henriette, geborene Adler (1875) – Wetzlar, Alter Jüdischer Friedhof“, in: Jüdische Grabstätten (Stand: 17. Dezember 2021).
  2. Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Band 2, 1971, S. 374. Paul Arnsberg: Henry Budge. Der geliebten Vaterstadt Segen gestiftet, 1972, S. 9. Hans-Werner Hahn: Altständisches Bürgertum zwischen Beharrung und Wandel. Wetzlar 1689-1870, 1991, S. 336 ff.
  3. Herz Bamberger, Geschichte der Rabbiner der Stadt und des Bezirkes Würzburg, Simon Bamberger (Hg., Komp.), Wandsbek: Goldschmidt, 1905, S. 65. Auslassungen und Hinzufügungen in eckigen Klammern nicht im Original.
  4. Sulamith, 7. Jahrgang, Heft 2, Seite 103–120
  5. Leo Trepp: Die Oldenburger Judenschaft, Oldenburg 1973, Seite 88 ff.
  6. Nathan Marcus Adler: Abschiedspredigt, gehalten in der israelitischen Synagoge zu Oldenburg. Buchhandlung Schulze, Oldenburg 1830
  7. Encyclopaedia Judaica, Band I (Aa-Alp), 2. Aufl., Seite 405