Orgel der Jacobikerk Uithuizen

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Orgel der Jacobikerk Uithuizen
Allgemeines
Alternativer Name Schnitger-Orgel
Ort Jacobikerk, Uithuizen
Orgelerbauer Arp Schnitger
Baujahr 1701
Letzte(r) Umbau/Restaurierung 1999–2001 Bernhardt Edskes
Epoche Barock
Technische Daten
Anzahl der Register 28
Anzahl der Pfeifenreihen 39
Anzahl der Manuale 2
Tontraktur Mechanisch
Registertraktur Mechanisch

Die Orgel der Jacobikerk in Uithuizen in der niederländischen Provinz Groningen wurde im Jahr 1701 von Arp Schnitger gebaut. Sie verfügt über 28 Register, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Das Instrument ist eine der am besten erhaltenen Schnitger-Orgeln. Die Orgel diente als Vorlage für Orgelneubauten im 20. Jahrhundert[1] und zur Rekonstruktion verlorener Register anderer Schnitger-Orgeln.[2]

Neubau durch Schnitger 1701

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Aufbau auf dem Rückpositiv mit Wappen der van Menkema

Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind Rechnungen über Orgelreparaturen belegt, die auf die Existenz einer Orgel hinweisen. Schnitger übernahm jedoch von der Vorgängerorgel keine Register für seinen Orgelneubau. Die Kirchengemeinde schloss am 26. März 1699 einen Vertrag mit Schnitger über eine neue Orgel mit 27 Registern. Für Lohn und Material wurden 1600 Caroligulden vereinbart, mit dem Möbeltischler Allert Meijer 900 Caroligulden für das Gehäuse und die Orgelempore.[3] Schnitger baute auf eigene Kosten ein zusätzliches Register ein, sodass die Orgel bei der Abnahme 28 Register umfasste. Über den Verdienst an seinen Orgeln in Uithuizen und Groningen (Academie-Kerk) äußerte sich Schnitger wie folgt: „An diesen beiden Werken habe ich nichts verdient, weil ich an diesen Orten zwei Schelme und Tagediebe als Gesellen hatte, die wohl viel verzehrt, aber nichts für mich verdient haben. Gott wird ihnen ihren Lohn geben.“[4] Das Pedal wurde hinterständig hinter das Hauptwerkgehäuse aufgestellt. In ihrer Zeit war die Orgel in Uithuizen die größte niederländische Dorforgel.[5]

Das Gehäuse von Meijer ist äußerst kunstfertig hergestellt. Im 19. Jahrhundert erhielt das holzsichtige Eichenholz einen dunkelbraunen Firnis. Das Hauptwerkgehäuse findet seine verkleinerte Entsprechung im Rückpositiv in der Emporenbrüstung. Beide Manualwerke sind fünfachsig mit einem überhöhten, polygonalen Mittelturm und zwei Seitentürmen in Trapezform. Diese Form ist bei Schnitger ungewöhnlich, der ansonsten spitze Seitentürme verwendete. Die drei Pfeifentürme werden durch zweigeschossige Flachfelder verbunden. Die oberen Flachfelder im Hauptwerk sind stumm, im Rückpositiv die unteren. In allen vier Seitentürmen ist jeweils die äußerste Pfeife stumm. Von den jeweils 67 Prospektpfeifen sind 43 klingend.[6]

Der Mittelturm des Rückpositivs wird vom Wappen der Patronatsfamilie Alberda van Menkema bekrönt. Zwei aufsteigende Löwen halten einen Schild. Das seitliche Schleierwerk zeigt durchbrochene Akanthusranken mit Voluten, die in musizierende Engelfiguren übergehen. Akanthusblattwerk ist auf dem Gehäuse über den Flachfeldern angebracht, schließt das gesamte Rückpositiv nach unten ab und findet sich als Schleierwerk oben und unten in den Pfeifenfeldern. Das Schnitzwerk wird Jan de Rijk zugeschrieben.[7]

Spätere Arbeiten

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Albertus Antonius Hinsz reparierte das Instrument im Jahr 1747 und sanierte es im Jahr 1785. Er erneuerte die Manual- und Pedalklaviaturen und ergänzte in der Bassoktave die fehlenden Semitonien durch Ankoppeln an die kleine Oktave. Das Rückpositiv war jetzt vom zweiten Manual anspielbar. Klangliche Veränderungen nahm Hinsz nicht vor. In den Jahren 1800 und 1811 führte Dirk Lohman Reparaturen durch. Stärkere Eingriffe erfolgten durch Petrus van Oeckelen in den Jahren 1854 bis 1856. Er ersetzte zehn Register ganz oder teilweise, erneuerte die Manuael-Windlade (Hauptwerk), die in der Bassoktave die bis dahin fehlenden Halbtöne erhielt, und verbreiterte das Untergehäuse und das Pedalwerk. 1891 ersetzte dieselbe Werkstatt Schnitgers vier Keilbälge durch vertikale Magazinbälge.[8]

In einem ersten Bauabschnitt führte Bernhardt Edskes im Jahr 1987 das Rückpositiv auf den ursprünglichen Zustand zurück. Fünf Register wurden unter Verwendung des erhaltenen Materials rekonstruiert, ebenso die Keilbälge und Manualklaviaturen. In einem zweiten Abschnitt restaurierte Edskes von 1999 bis 2001 das Hauptwerk und Pedalwerk einschließlich der Gehäuse. Drei verlorene Register wurden vollständig rekonstruiert, darunter die Prospektpfeifen mit vergoldeten Labien, drei Register teilweise.

Disposition seit 2001 (= 1701)

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I Manuael CDE–c3
Praestant 08′ E
Holpyp 08′ S
Octaav 04′ S
Spitsfluyt 04′ S
Quint 03′ S
Superoctaav 02′ S/E
Siflet 1130 S/E
Mixtuer IV–V0 S
Trompet 08′ E
Vox Humana 08′ S
II Rugposityf CDEFGA–c3
Praestant 04′ S/E
Holpyp 08′ S
Quintadena 08′ S/E
Holpyp 04′ S
Octaav 02′ S/E
Woudfluyt 02′ S
Quint 1120 S
Sesquialter II0 S
Scherp IV E
Dulciaan 08′ S
Pedaal CDE–d1
Bourdon 16′00 S/E
Octaav 08′ S
Octaav 04′ S
Nachthoorn0 02′ S
Mixtuer IV E
Basuyn 16′ S
Trompet 08′ S
Cornet 02′ S
Anmerkungen
S = Schnitger (1701)
E = Edskes (1987/2001)

Technische Daten

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  • 28 Register, 39 Pfeifenreihen.
  • Windversorgung:
    • 3 Keilbälge (Edskes)
    • 3 Sperrventile
    • Winddruck: 66,5 mmWS
  • Windladen: Rugposityf und Pedaal (Schnitger), Manuael (Edskes)
  • Traktur:
    • Klaviaturen (Hinsz)
    • Tontraktur: Mechanisch
    • Registertraktur: Mechanisch
  • Stimmung:
  • Peter van Dijk: Een pronkjuweel op het Hogeland. Het Arp Schnitger-orgel te Uithuizen. Walburg, Zutphen 2004, ISBN 90-5730-310-8.
  • Cornelius H. Edskes, Harald Vogel: Arp Schnitger und sein Werk (= 241. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde). 2. Auflage. Hauschild, Bremen 2013, ISBN 978-3-89757-525-7, S. 82–85, 195 f.
  • Gustav Fock: Arp Schnitger und seine Schule. Ein Beitrag zur Geschichte des Orgelbaues im Nord- und Ostseeküstengebiet. Bärenreiter, Kassel 1974, ISBN 3-7618-0261-7, S. 240 f.
Commons: Orgel der Jacobikerk Uithuizen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. So beispielsweise für die Orgel in Scheveningen, abgerufen am 3. März 2018.
  2. So beispielsweise für die Orgel in Weener, abgerufen am 3. März 2018.
  3. Edskes, Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. 2. Aufl. 2013, S. 194.
  4. Fock: Arp Schnitger und seine Schule. 1974, S. 240.
  5. Edskes, Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. 2. Aufl. 2013, S. 195.
  6. Edskes, Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. 2. Aufl. 2013, S. 82.
  7. Edskes, Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. 2. Aufl. 2013, S. 84.
  8. Seite von H.-W. Coordes, abgerufen am 3. März 2018.

Koordinaten: 53° 24′ 26,6″ N, 6° 40′ 25,2″ O