Radis

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Radis
Stadt Kemberg
Koordinaten: 51° 45′ N, 12° 31′ OKoordinaten: 51° 45′ 0″ N, 12° 31′ 0″ O
Höhe: 98 m
Fläche: 19,82 km²
Einwohner: 1195 (2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06901
Vorwahl: 034953

Radis ist ein Ortsteil der Stadt Kemberg im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Radis liegt ca. 20 Kilometer südwestlich von Lutherstadt Wittenberg am Rande des Naturparks Dübener Heide.

Gut Radis um 1875/77, Sammlung Alexander Duncker

1378 wurde Radis als Rodiß erstmals urkundlich erwähnt. Ein Herrensitz ist bereits 1499 bezeugt; aus ihm entwickelte sich das spätere Rittergut, welches die Geschichte des Ortes im Kern bestimmte. Die letzten Gutsbesitzer-Generationen[2] stellte die Familie von Bodenhausen, welche bereits 1105/1135 erstmals urkundlich Erwähnung findet. Die durchgehende Genealogie der Bodenhausen in und auf Radis ist beginnend mit Kraft von Bodenhausen (1568–1626) belegbar. Er hatte mehrere Ehrentitel, war sowohl in Mainz wie auch in Sachsen kurfürstlicher Rat, Oberst zu Roß, Hauptmann der Ämter Torgau und Liebenwerda. Sein Enkel Kammerherr Kraft Burghard von Bodenhausen erwirbt[3] zusätzlich den Herrensitz Brandis. Der Zweig Radis erhielt am 10. Juni 1874 zu Berlin die preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitel. Dieser Ehre zuteil wurde Bodo Wilke von Bodenhausen (1837–1908). Er hatte ebenso mehreren Ehrenämter inne, unter anderem herzoglich-anhaltinischer Kammerherr, Schloßhauptmann zu Dessau und Rechtsritter[4] des Johanniterordens. Bodo war vermählt mit Anna von Bodenhausen-Burgkemnitz, Adelshochzeiten mit der mittelbaren Verwandtschaft waren damals durchaus konventionell. Als Grundbesitzer auf Radis folgte der gleichnamige Sohn Bodo Hans von Bodenhausen-Radis (1860–1911). Er war Fideikommissherr, festgelegter Erbe auf Grundlage einer Stiftung, die das Gut unbedingt in Familienhand halten sollte. Auch er war Mitglied der Johanniterritter und zugleich Landrat des Kreises Wittenberg, vermählt mit Eleonore von Seidlitz und Ludwigsdorf (1877–1957). Sie lebte auch noch nach dem Kriegsende in Radis. Das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn, Kraft von Bodenhausen, dem letzten Gutsherrn in Radis. Seine Besitzungen um Radis hatten Anfang der 1920er Jahre einen Umfang von 1272 ha Land, davon waren konkret 1100 ha Wald. Als Pächter agierte zu jener Zeit sein Neffe Fedor von Wuthenau.[5]

Von 1952 bis 1994 gehörte Radis zum Kreis Gräfenhainichen (DDR-Bezirk Halle, ab 1990 Land Sachsen-Anhalt).

Am 1. Januar 2010 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Radis zusammen mit den Gemeinden Dabrun, Eutzsch, Rackith, Rotta, Schleesen, Selbitz, Uthausen und Wartenburg in die Stadt Kemberg eingemeindet.[6] Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Kemberg, zu der Radis gehört hatte, aufgelöst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

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Pabsthaus

Der Pabst ist ein Waldstück ca. zwei Kilometer westlich von Radis. Das in diesem Waldstück gelegene Pabsthaus ist das Geburtshaus von Johann Gottfried Galle. Er wurde u. a. durch seine Entdeckung des Planeten Neptun im Jahr 1846 zu einem der bedeutendsten deutschen Astronomen. Zu Ehren dieses Wissenschaftlers hat der Heimatverein Radis einen Rundwanderweg eingerichtet, der von Radis zu seinem Geburtshaus führt. Entlang dieses Johann-Gottfried-Galle-Wanderweges gibt es einen Planetenweg, an dem Schautafeln über die Planeten des Sonnensystems angebracht sind.

Wirtschaft, Infrastruktur und Sport

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Bis 1990 existierte in Radis eine Maschinenfabrik, die ein Teil des Betriebes Landmaschinenbau Torgau („LAMATOR“) und somit auch des Kombinats Fortschritt Landmaschinen war. Ein Teil der Anlagen wurde abgerissen. Die Maschinenhalle wird heute als Lager der örtlichen Agrargesellschaft genutzt.

Bahnhof in Radis

Die Bundesstraße 100, die Wittenberg und Halle (Saale) verbindet, verläuft direkt durch die Gemeinde. Der Bahnhof Radis liegt an der Bahnstrecke Berlin–Halle. Die Linien S2 und S8 der S-Bahn Mitteldeutschland verbinden Radis stündlich mit Wittenberg und Bitterfeld sowie abwechselnd mit Halle und Leipzig.

Der TuS 1947 Radis ist ein Handballverein, der in der Saison 2023/2024 in der Sachsen-Anhalt-Liga spielt. Seine Heimspiele trägt der Verein in der Lindenallee in Gräfenhainichen aus.

Persönlichkeiten

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Söhne und Töchter des Ortes

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Mit Radis verbundene Persönlichkeiten

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Commons: Radis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Stadt Kemberg – Integriertes Gemeindliches Entwicklungskonzept (IKEK). (PDF) S. 16, abgerufen am 6. Oktober 2022.
  2. Stammtafeln der Familie von Bodenhausen mit Belegen. 1865. Tafel VIII. In: Als Manuskript gedruckt (Hrsg.): Genealogien/Familien-Chronik. Stamm Bodenhausen. Linie Brandis, Linie Radis. Druck der Dieterichschen Univ.- Buchdruckerei W. Fr. Kästner, Göttingen 1865, S. Tafel IX (uni-duesseldorf.de).
  3. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1900. In: „Der Gotha“. Erster Jahrgang Auflage. Adelige Häuser nach alphabetischer Ordnung, Bodenhausen. Justus Perthes, Gotha Januar 1900, S. 94–95 (uni-duesseldorf.de).
  4. Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Otto Reichert, Friedrich Wilhelm Freiherr v. Lyncker u. Ehrenkrook, Wilhelm v. Blaschek, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser / A (Uradel/ bis 1400 nobilitiert) 1959. In: Ausschuss für adelsrechtlichen Fragen der deutschen Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv (Hrsg.): GHdA Genealogisches Handbuch des Adels, von 1951 bis 2015. Band III, Nr. 21. C. A. Starke, 1959, ISSN 0435-2408, DNB 456719652, S. 20–22.
  5. Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band V, Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S. (Hrsg.): Verzeichnis der für die Landwirtschaft wichtigen Behörden und Körperschaften. 3. Auflage. V der Reihe von Paul Niekammer, Kreis Wittenberg. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 234–235 (slub-dresden.de).
  6. Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010. StBA.