Wunsch

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Der Wunsch ist ein Begehren nach einer Sache oder Fähigkeit, ein Streben oder zumindest die Hoffnung auf eine Veränderung der Realität oder Wahrnehmung oder das Erreichen eines Zieles für sich selbst oder für einen Anderen. Zu den Wünschen gehören sowohl die Glückwünsche als auch negativ besetzte Verlangen (Verwünschungen, Flüche, jemandem die Pest an den Hals wünschen.)

Nach Zedler[1] kann man Wünsche unter anderem in gute und böse Wünsche, in vernünftige und unvernünftige Wünsche, in mögliche und unmögliche (vergebliche) Wünsche und in gerechte und ungerechte Wünsche einteilen. Sigmund Freud unterscheidet außerdem bewusste und unbewusste Wünsche. Der Friedenswunsch ist in vielen Grüßen enthalten; Beispiele sind: „Der Herr gebe dir Frieden“, „Friede sei mit dir“ (Nr. 6,26. Jud u. a.); auch in anderen Sprachen, z. B. Salām im Arabischen.

Der Wunsch nimmt die Imagination („Wunschimagination“) eines „Bedürfnisses“ zur Grundlage seines Entstehens.[2][3] Das Wünschen ist Ausdruck eines mentalen Prozesses („Mentalisierung“). Damit würde auch seine Erfüllung, gelänge sie, lediglich einen imaginierten Charakter aufweisen, eine imaginative Befriedigung, die sich ein solcherart Handelnder vorstellte, ohne sie wirklich fühlen zu können.[4][5] Die „Wunschimagination“ oder „desiderative Mentalität“ bezieht sich in ihrem Kontext auf eine bestimmte Vorstellung zu einem bestimmten Zeitpunkt, der in der Zukunft liegt. Für Erny (2007) steht der Wunsch als „die positive Einstellung zur Realisierung eines Sachverhaltes“.[6] Nach Erny muss aber ein Wunsch nicht unbedingt und zwingend „handlungswirksam“ werden, denn erst durch die Entscheidung, einen Wunsch handlungswirksam werden zu lassen, der den Wunsch zum Willen werden lässt, kann eine Handlung realisiert werden.[7] Binder (2014) fasste den Wunsch, in seiner „Typologie intentionaler Zustände“, unter die Rubrik „affektiver Bewußtseinszustand mit Erfüllungsbedingungen“ und grenzte sie gegen „affektive Bewußtseinszustände ohne Erfüllungsbedingungen“, auch als „Gefühle“ bezeichnet, ab.[8]

Bedürfnisse sind Ausdruck einer menschlichen psycho-physischen „Bedürftigkeit“,[9] der mentale Zustand („Gefühl“), das durch die Erfüllung von Bedürfnissen zustande kommt, wird gemeinhin als „Befriedigung“ erlebbar.[10] Das Bedürfnis zeigt sich u. a. im Verlangen, einen subjektiv empfundenen Mangelzustand abzuwenden.

Der Begriff Wunschdenken drückt die Annahme aus, dass sich eine Sache in einer bestimmten Weise verhält, was aber nur dem Wunsch, dass es so sein möge, nicht aber der Realität entspricht.

Wunsch als Begehren

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Oft richtet sich ein Wunsch auf eine Veränderung der eigenen Lebensumstände, auf die Befriedigung von Bedürfnissen, Trieben oder Begierden, auf den Erwerb bestimmter Dinge, z. B. der Wunsch nach einem (neuen) Auto, Fahrrad, Computer, einer eigenen Wohnung oder einem Haus. Oben auf der Wunschliste steht bei vielen Menschen der Wunsch nach Gesundheit und Frieden, Geborgenheit, Vertrauen, Respekt, Akzeptanz, Erholung, Kraft, Partnerschaft, Leichtigkeit (Mühelosigkeit), Freiheit bzw. Fähigkeiten (Möglichkeiten, Potenzial) und Sexualität.

Es gibt erfüllbare und unerfüllbare Wünsche. Manche Wünsche werden unerfüllbar, wenn man den Zeitpunkt zu ihrer Erfüllung verpasst (sowohl zu früh, wenn ein Wunsch noch gar nicht möglich ist, wie z. B. ein Spiel, welches noch gar nicht veröffentlicht wurde, als auch zu spät, wenn beispielsweise eine erhoffte Beziehung schon vergeben ist). Das Begehren nach Wunscherfüllung ist oft eine starke Kraft, Neues zu erreichen.

Beim Handel stehen sich die Wünsche des Kunden und des Händlers gegenüber. Beide streben danach, ihre Wünsche zu erfüllen. Der Wunsch des Kunden ist es, eine Ware zu erhalten, die seinen Wünschen entspricht, der Wunsch des Händlers ist die Erzielung eines Gewinnes, meist über einen angemessenen Preis – das Ziel kann aber auch sein, den Laden leerzubekommen, um Folgekosten zu vermeiden. Der Handelsvorgang ist dabei kein Nullsummenspiel. Beide Seiten können einen Vorteil haben. Da Handelsvorgänge wiederholt werden, versuchen die meisten Händler, zufriedene Kunden zu haben, das heißt, deren Wünsche zu erfüllen. Dazu gehört auch, den Wunsch des Kunden festzustellen und unter Umständen zu beeinflussen. Oft gehörte Redewendungen sind: „Was wünschen Sie?“ und „Haben Sie noch einen Wunsch?“ Es gibt verschiedene Methoden, die Wünsche des Kunden zu bestimmen oder zu beeinflussen. Gezielte Angebote („Ich habe da noch etwas ganz Besonderes für Sie.“) führen oft zum (beiderseitigen) Erfolg. Methoden wie AIDA sollen beim Verkaufsabschluss helfen.

  • Attention – die Aufmerksamkeit des Kunden wird erregt
  • Interest – er interessiert sich für das Produkt
  • Desire – der Wunsch nach dem Produkt wird geweckt
  • Action – der Kunde kauft das Produkt

Werbung soll dazu beitragen, Wünsche zu wecken oder zu stabilisieren.

Händler, die nur verkaufen wollen, ohne die Wünsche des Kunden zu berücksichtigen, können kurze Zeit Erfolg haben, auf Dauer aber kaum. In diesem Sinne ähnelt der Handel dem iterierten Gefangenendilemma. Meist zahlt sich Kooperation dabei als erfolgreiche Strategie aus. Manchmal ist defektieren („den anderen über das Ohr hauen“) individuell erfolgreicher, zumindest kurzzeitig.

Weihnachtswunschzettel

Vor Weihnachten schreiben Kinder ihre Wünsche auf Wunschzettel für den Weihnachtsmann oder das Christkind auf. Beim Aufschreiben beschäftigen sie sich intensiv mit ihren Wünschen. Im Advent hatte das gemeinsame und heimliche Basteln von Weihnachtsgeschenken eine lange Tradition. Heute wird es oft durch den Weihnachtseinkauf ersetzt.

Geburtstagswunsch

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Geburtstagswunsch beim Kerzenausblasen

Der Geburtstags­wunsch richtet sich meist auf ein materielles, oft aber auch auf ein ideelles Geburtstagsgeschenk. Oft wird die Erfüllung des Geburtstagswunsches bis zum Geburtstag geheim gehalten, sodass es sich beim Geschenk um eine Überraschung handelt.

Die Programmwahl im Fernsehen wird von den Wünschen der Zuschauer abhängig gemacht. Beispiele hierfür sind langjährige Fernsehserien wie „Wünsch Dir was“, „Wunschfilm“ und „Wunschbriefkasten“.

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist oft ein großes Problem für junge Familien. Der medizinische Fortschritt konnte vielen Paaren den Kinderwunsch erfüllen. Die „Wunschkindpille“ dient dagegen meist nicht der Erfüllung eines Kinderwunsches, sondern der Verhinderung eines Kindes (in diesem Sinne ist es ein Euphemismus) oder der Verschiebung der Möglichkeit einer Geburt auf spätere Zeit im Rahmen der Lebensplanung. Allerdings haben ungewünschte Kinder oft große Probleme. Viele Personen wünschen heute auch keine eigenen Kinder mehr.

Wunscherfüllende Medizin

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Wunscherfüllende Medizin bezeichnet nicht medizinisch indizierte Eingriffe in den menschlichen Organismus mit dem Ziel der Verbesserung, Veränderung oder Erhaltung von Form, Funktion, kognitiven Fähigkeiten oder emotionalen Befindlichkeiten (Neuro-Enhancement), die unter ärztlicher Verantwortung durchgeführt werden.

Wunsch und Wille

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Wunsch und Wille sind verwandt. Der Wille ist oft ein starker Wunsch. Der Wunsch unterscheidet sich vom Willen:

  • Entschiedenheit: Der Wunsch ist verwandt mit der Sehnsucht. Vom Willen unterscheidet er sich im Grad der Entschiedenheit oder Entschlossenheit: Der Wunsch stellt das frühe Stadium des Willens dar, noch wird zögerlich formuliert, abgewogen und überlegt. Beim Willen ist man dagegen zumindest theoretisch sicher, sich für das nun klar definierte Gewünschte selbst zu engagieren. (Der Ausdruck „sich einen Wunsch erfüllen“ zeigt, dass der Wunsch Ausdruck eines Mangels sein kann, der abgestellt werden möchte, und man auch selbst derjenige sein kann, der ihn abstellt, vergleiche auch Knappheit.)
  • Punktuell: Der Wunsch bezieht sich auf ein bestimmtes Ereignis oder einen bestimmten Gegenstand, mit dessen Eintreten oder Erhalten der Wunsch erfüllt ist. Der Wille dagegen ist meist eher eine länger anhaltende Geisteshaltung, die verschiedene Ereignisse nacheinander bewirken kann.
  • Adressat: Der Wille wirkt aus eigenem Antrieb heraus, ohne direkte Einwirkung fremder Einflüsse. Der Wunsch richtet sich oft an einen konkreten Adressaten. Man kann sich von jemandem etwas wünschen und für jemanden etwas wünschen. Der Wünschende kann dabei auch sein eigener Adressat sein. Man kann jemand anderem einen Wunsch erfüllen.

Epikur: Drei Arten von Wünschen

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Der griechische Philosoph Epikur unterschied drei Arten von Wünschen:

  • natürliche und notwendige Wünsche
  • natürliche und nicht notwendige Wünsche
  • nicht natürliche und nicht notwendige Wünsche

Natürliche und notwendige Wünsche sichern das Überleben. Dazu gehören Essen, Trinken, Nahrung und Kleidung. Sie entsprechen den menschlichen Grundbedürfnissen, deshalb müssen diese Wünsche immer befriedigt werden. Natürliche und nicht notwendige Wünsche sind den Sinnen angenehm, aber zum Überleben eigentlich überflüssig. Oft aber ist die Befriedigung dieser Wünsche vorteilhaft. Nicht natürliche und nicht notwendige Wünsche werden durch eine Meinung hervorgerufen. Diese Wünsche sollten nach Epikur niemals erfüllt werden. Epikur war für Mäßigung, beispielsweise sagte er: „Der Reichtum, der keine Grenze hat, ist eine große Armut.“

Wunscherfüllung im Traum bei Sigmund Freud

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Sigmund Freud schrieb, dass Träume verdeckte Wunscherfüllungen seien. Sie gehörten zum inneren Wesen des Traumes, zu den substantiellen Bestimmungsstücken jedes Traumes. Im Traum träten verdrängte und tabuisierte Wünsche in symbolisch verkleideter Form auf, die ins Bewusstsein drängten, aber zunächst vom Bewusstsein abgewehrt würden. Freud nahm die Existenz eines inneren Traumarbeitsmechanismus oder Zensors an, der sehr starke, sozial nicht akzeptierte Wünsche (meist sexueller Natur) in nicht unmittelbar verständliche, symbolische Bilder umwandelt.

Wittgensteins Philosophische Untersuchungen

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Ludwig Wittgenstein beschreibt in seinen Philosophischen Untersuchungen Wünschen als ein charakteristisches Erlebnis, wie Wiedererkennen, sich Erinnern. Der Wunsch scheine schon zu wissen, was ihn erfülle, er antizipiere die Zukunft. Ein Wunsch sei unbefriedigt, denn er sei eine Erwartung von etwas. Der Satz „Ich habe Lust auf einen Apfel“ sei demnach keine Äußerung eines Wunsches, sondern einer Unbefriedigung. In vielen Fällen verhülle das Wort „Wünschen“ das Gewünschte. Dass ein Ereignis einen Wunsch zum Schweigen bringe, heiße nicht, dass es ihn erfülle. Worte wie „Möge er doch kommen“ können mit einem Wunsch geladen sein. Dabei seien Wünsche manchmal schwer auszusprechen.

Wittgenstein unterscheidet zwischen Wunsch und Willen. Wenn man seinen Arm willkürlich bewege, dann bediene man sich nicht eines Mittels, die Bewegung herbeizuführen. Auch ein Wunsch sei nicht so ein Mittel. Das Wollen, wenn es nicht eine Art Wunsch sein solle, müsse das Handeln selbst sein, zum Beispiel Sprechen, Schreiben, Reden. Ein Wunsch sei nicht, den Arm zu heben. Wenn man ihn hebe, so habe man noch nicht gewünscht, ihn zu heben. Ein Wunsch sei beispielsweise, wenn man hofft, einen Kreis fehlerfrei zu zeichnen.

Wünsche im Alltag

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In vielen Kulturen wird ein Gruß als Wunsch ausgesprochen. Üblich sind Willkommensgrüße und Abschiedsgrüße, Grüße zum Geburtstag und Grüße zu Festen. Bei vielen dieser Wünsche gibt es feste Redewendungen. Beispiele hierfür sind:

Gruß:

  • Ich wünsche einen schönen guten Tag (guten Morgen, guten Abend).
  • Grüß Gott!
  • Behüte dich Gott! – „Pfiat di (Gott)“

Glückwünsche:

  • Gute Besserung!
  • Alles Gute!
  • Beste Gesundheit!
  • Helf Gott!
  • Ein friedliches und gesundes neues Jahr!
  • Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag.
  • Wir wünschen dir einen schönen Urlaub.

Bei Mahlzeiten:

  • Guten Appetit!
  • Lasst es Euch schmecken!

Trinksprüche:

  • Zum Wohle!
  • Auf die Gesundheit!

Die Wünsche beruhen auf dem Glauben und der Erfahrung, dass gute Wünsche die Zukunft und das Zusammenleben positiv beeinflussen können. Viele Wünsche dieser Art beruhen auf Gegenseitigkeit. Einige sind heute allgemeine Höflichkeitsfloskeln.

Kunst und Literatur

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Wunsch im Märchen

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In der Literatur, besonders im Märchen, haben Wünsche oft magischen Charakter. Besonders häufig hat der Protagonist drei Wünsche frei, deren Erfüllung ihm zugesichert und gewährt wird. Bisweilen werden die Wünsche aber in anderer Weise erfüllt, als es sich der Wünschende gedacht hat. Viele der bekanntesten Märchen gehören zu den Wunschmärchen.

Hierbei gibt es verschiedene Arten von Wünschen:

  • gute oder schlechte Wünsche (Verwünschungen) gegenüber der Hauptperson (Dornröschen),
  • Kinderwunsch („Es waren einmal ein König und eine Königin, die wünschten sich ein Kind und bekamen immer keins“)
  • Belohnung oder Strafe (Frau Holle),
  • Erfüllung eines Wunsches nach dem Versprechen eines unbekannten Lohnes, der dann verweigert wird (Rumpelstilzchen)
  • Wunschexzess – ein erfüllter Wunsch zieht immer größere Wünsche nach sich (Vom Fischer und seiner Frau)
  • Wünsche der Hauptperson auf Grund eines Verdienstes (zum Beispiel Befreiung eines Flaschengeistes oder einer Elfe; oder Hilfe für jemanden in Not)

Viele Märchen beginnen mit der Eröffnung: „Vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat“. Oft ist die Wunscherfüllung mit Zauberei verbunden. In modernen Märchen wird oft gezeigt, wozu es führen kann, unsinnige Wünsche zu erfüllen. Stanisław Lem beschrieb in der Geschichte Wie die Welt noch einmal davonkam (Kyberiade, Insel, 1983) eine Maschine, die alles machen kann, was mit dem Buchstaben „n“ anfängt. Als sie aufgefordert wird, „Nichts“ zu machen, scheint zunächst alles beim Alten zu bleiben. Dann stellt sich heraus, dass mehr und mehr Dinge aus der Welt verschwinden, denn die Maschine erfüllt den Wunsch wörtlich. Rückgängig machen kann sie nur einen Teil, nur die Dinge, die auf den Buchstaben „n“ beginnen, kann sie wieder erzeugen. Aus diesem Grunde haben wir heute zwar noch Niedertracht, Neid und Niederlagen, aber beispielsweise keine Singuine mehr. Und der Nachthimmel ist zum größten Teil schwarz.

Science-Fiction

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In Andrei Tarkowskis Film Stalker führt der Stalker einen Journalisten und einen Wissenschaftler durch eine Zone hin zu einem sagenhaften Zimmer, in dem die geheimsten Wünsche erfüllt werden.

In Sergei Snegows Buch Menschen wie Götter ist die Wissenschaft so weit gediehen, dass man praktisch fast alles machen kann. Der Unterschied von Märchen und Realität verschwindet. Es entstehen Fabelwesen wie Drachen und andere.

In Olga Larionowas Geschichte Der Leopard vom Kilimandscharo wird der Wunsch vieler wahr, das eigene Todesdatum zu kennen. Nach einer Zeitreise ist das die einzige Information, die aus der Zukunft zurückgebracht wird. Viele denken, dass dieses Wissen bei der Lebensgestaltung helfen könne, aber es erweist sich als Irrglaube. Das sichere Wissen über den eigenen Tod erweist sich für die meisten als Alptraum.

Douglas R. Hofstadter beschreibt in seinem Buch Gödel, Escher, Bach – ein endloses geflochtenes Band Metawünsche. Das sind Wünsche, die sich auf Wünsche beziehen. Gelegentlich werden diese auch „Wünsche zweiter Ordnung“ genannt (von engl. second-order desires). Zu den Metawünschen gehören Wünsche nach mehr Wünschen, Wünsche nach Änderung des Wunschtyps, Wünsche zur Aufhebung von Wünschen und andere Wünsche. Die Erfüllung von Metawünschen ist problematisch, weil sie zu Paradoxien führen kann. Zu den Metawünschen gehören alle Wünsche, die hinsichtlich eines Wunsches selbstbezügliche Eigenschaften haben oder einen Wunsch zum Inhalt haben, also Wünsche auf einer höheren Ebene sind.

Wünsche nach mehr Wünschen

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Wenn ein Held einen oder mehrere Wünsche frei hat, könnte er sich mit Hilfe dieser Wünsche beliebig viele weitere freie Wünsche wünschen. In den meisten Märchen und Geschichten, in denen Wünsche vorkommen, taucht dieser Gedanke nicht auf. Wo er doch geäußert wird, wird er normalerweise zurückgewiesen. So ist die Fähigkeit zur Wunscherfüllung bei Dschinns unterschiedlich ausgeprägt, abhängig von ihrer Mächtigkeit, sie können nicht alle Wünsche erfüllen. Nur selten kommt es vor, dass mit Wünschen neue Wünsche gewünscht werden können. Diese Beschränkung besteht auch bei Wünschen im realen Leben. Wenn doch einmal diese Art von Wünschen möglich ist, führen sie nicht zum erwarteten Ergebnis. Shel Silverstein beschreibt im Gedicht „Lester“ einen Jungen, der sich mit einem Wunsch weitere Wünsche wünscht und immer mehr neue Wünsche wünscht, die sich dann alle rings um auftürmten, bis er schließlich stirbt, da er sich von einem Goblin in einer wunderschönen Welt voller Äpfel und Küsse und Schuhe nur immer Wünsche gewünscht hat. (Shel Silverstein, Where the Sidewalk Ends, ISBN 0-06-025667-2, deutsch: Wo der Gehweg endet.)

Wunsch nach Nichterfüllung des Wunsches

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Wenn man in einem Wunsch wünscht, dass der Wunsch nicht erfüllt wird, führt das zu einem Paradoxon, das ähnlich gestaltet ist wie das Lügner-Paradoxon:

  • wenn der Wunsch erfüllt wird, wird er gerade nicht erfüllt
  • wenn der Wunsch nicht erfüllt wird, wird er erfüllt

Wunsch nach Rückgängigmachung eines Wunsches

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Nachdem dem Helden klar wurde, dass seine ersten beiden Wünsche nicht zum gewünschten Ergebnis führten, wünscht er sich mit dem dritten, dass der Ausgangszustand wieder erreicht wird. Das führt eigentlich zu einer Paradoxie, die aber selten beachtet wird: Es beginnt alles genauso und von vorn. Diese Paradoxie wird vermieden, wenn sich wenigstens der Held an alles erinnern kann.

Der sagenhafte König Midas von Phrygien hatte bei Dionysos einen Wunsch frei und er wünschte sich, dass alles, was er berührte, zu Gold werde. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt und führte dazu, dass Midas beinahe verhungert und verdurstet wäre. Glücklicherweise gewährte ihm Dionysos einen weiteren Wunsch, und Midas bat ihn, ihn von dem verhängnisvollen Wunsch zu befreien. Midas’ Wunsch, dass alles, was man berührt, zu Gold werde, wurde einer der bekanntesten überlieferten Wünsche aus der Antike.

Wiktionary: Wunsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Wunsch – Zitate

Einzelnachweise

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  1. Wunsch. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 59, Leipzig 1749, Sp. 2201–2205.
  2. Brigitte Boothe: Das Narrativ: Biografisches Erzählen im psychotherapeutischen Prozess. Schattauer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7945-2801-1, S. 119 f.
  3. Anna Kusser: Dimensionen der Kritik von Wünschen. (Athenäums Monografien: Philosophie; Bd. 257) Athenäum, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-610-09238-6 [1] hier S. 60
  4. Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe und Ausdrücke. (1904), online textlog.de [2]
  5. Brigitte Boothe: Psychoanalyse des Wünschens. S. 213–234 In: Kathy Zarnegin (Hrsg.): Die Wissenschaft des Unbewussten. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010 [3] hier S. 2–3
  6. Nicola Erny: Willensfreiheit heute: Der neue Streit der Fakultäten. In: Wolfgang Tress, Rudolf Heinz (Hrsg.): Willensfreiheit zwischen Philosophie, Psychoanalyse und Neurobiologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-40402-7, S. 71
  7. vergleiche auch Fiktion, Wirklichkeit versus Realität
  8. Werner Binder: Abu Ghraib und die Folgen: Ein Skandal als ikonische Wende im Krieg gegen den Terror. transcript Verlag, Bielefeld 2014, auf books.google.de [4] hier S. 29–33
  9. siehe hierzu auch die Maslowsche Bedürfnishierarchie
  10. Alfred Schöpf: Bedürfnis, Wunsch, Begehren: Probleme einer philosophischen Sozialanthropologie. (Studien zur Anthropologie), Königshausen & Neumann, Würzburg 1987, ISBN 978-3-88479-303-9, S. 24